Energiewende & Harald Leschs E-Auto-Analyse – Teil 2

08.08.2022 enexion

Im Artikel vom 21.7.2022 wurde unter anderem der erste Teil der Analyse von Prof. Harald Lesch zum E-Auto abgehandelt. Es waren die Punkte …

1. Historie des Elektromotors
2. Effizienz des Elektromotors
3. Fahrzeugvergleich VW-Passat – Tesla
4. Der CO2-Ausstoß bei der Nutzung des Fahrzeugs
5. Der CO2-Ausstoß bei der Herstellung des Fahrzeugs
6. Die CO2-Bilanz

Jetzt geht es weiter mit …

7. Die Rohstoffe

 

Die Frage nach den “problematischen Stoffen” beantwortet Prof. Kai Peter Birke vor allem im Hinblick auf die Verfügbarkeit von Kobalt, Phosphor, Kupfer, Nickel. Prof. Lesch weist selbst auf die Probleme des Lithium-Abbaus für die Menschen in den Abbauregionen hin. Lösungen werden allerdings nicht geliefert. Man hat halt darüber gesprochen. Ansonsten ist es, wie es ist.

8. Rohstoffwiederverwertung

 

Das mögliche Recycling von Rohstoffen wird als möglich angesehen. verschwiegen wird allerdings, dass Recyclinganlagen, die in industriellem Stil Rohstoffe wieder verwertbar machen, noch nicht vorhanden sind. Der Hinweis, dass die Tendenz steigend sei, verbreitet Optimismus.

9. Die Nutzungsdauer einer Batterie

 

Prof. Birke spricht von einer Batterielebensdauer, die bei 300.000 km Laufleistung liegt. Dieser Wert ist bei sachgerechter Pflege – das meint der Prof. wohl mit “im Rahmen der Betriebsbedingungen” – der Fahrzeugbatterie vielleicht möglich. Der ADAC ist weniger optimistisch. Die meisten  Hersteller haben sich – mit wenigen Ausnahmen – auf eine Akkugarantie von acht Jahren und 160.000 Kilometer geeinigt. Lexus gibt auf den neuen UX300e heute sogar schon 10 Jahre und 1 Million Kilometer – ein Wert, der neue Maßstäbe setzt.” Bleibt die Frage, wie es aussieht, wenn das Fahrzeug verkauft werden und einen neuen Besitzer finden soll? Wie steht es da mit der Garantie? “Üblicherweise ist die Garantie fahrzeugbezogen, einige Hersteller verlangen jedoch eine Abtretung der noch bestehenden Garantie-Ansprüche an den Gebrauchtwagenkäufer. Der ADAC Musterkaufvertrag beinhaltet deshalb auch die Garantie-Abtretung. Falls das Fahrzeug bei einem Kfz-Händler erworben wird, ist auch hier eine Klärung bezüglich restlicher Garantie-Ansprüche und deren schriftliche Abtretung ratsam.” Wie auch immer, die Batterie ist beim E-Auto-Gebrauchtwagenkauf ein erhebliches Risiko für den Verkäufer. Die Preise werden entsprechend niedrig sein. Allein schon deshalb, weil bei einem weiteren Verkauf, die Batterie noch weniger “frisch” ist.

10. Wiederverwertung der Batterie

 

Prof. Lesch lässt den Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts Max Weber noch mal zu Wort kommen. Dieser erläutert die Weiternutzung von Altbatterien in Speichersystem. Insgesamt wird beim Thema “Batterie” der Eindruck erweckt, dass die Batterieherstellung, die Lebensdauer, das Recyceln und die Wiederverwertung kein Problem seien. So fällt den auch das erste Fazit von Prof. Lesch recht positiv aus

11. Zwischenfazit

 

Prof. Lesch findet es gut, dass er nunmehr die Fragen anreißt, die im Rahmen der Entscheidung für die Umstellung der Automobilwirtschaft auf E-Mobilität hätten diskutiert werden müssen. Richtig, es ist etwas spät. Wahrscheinlich zu spät.

12. Der zusätzliche Strombedarf

 

Prof Lesch hat offensichtlich keine Vorstellung davon, was “nur” 9% mehr Strom zwecks Aufladens der 15 Mio E-Autos bis 2030 bedeuten. Deshalb ist seine Aussage “Also Strombedarf ist kein Problem” Unfug. Das würde nur stimmen, wenn der zusätzlich benötigte Strom konventionell erzeugt werden sollte.  Die Herstellung von 45 TWh regenerativem Strom bis 2030 ist hingegen nicht mal eben so zu bewerkstelligen. Die Grafik unten bestätigt den Aufwand, der getrieben werden muss, um die 45 TWh Strom zumindest im Jahresdurchschnitt zwecks Laden von E-Autos regenerativ herzustellen.

Quelle

Da werden 9% plötzlich richtig viel. Zu bedenken ist, dass es mit den 45 TWh Mehrbedarf nicht getan ist. Der weggefallene Strom (30 TWh) aus Kernkraft Ende des Jahres 2021 und womöglich auch weitere 30 TWh Strom wegen des Abschaltens der letzten drei verbliebenen Kernkraftwerke Ende dieses Jahres müssen ebenfalls regenerativ ersetzt werden. Hinzu kommt die geplante Umstellung des deutschen Heizsystems auf Wärmepumpen und die geplante Wasserstoffwirtschaft. All dies ist nur mit Unmengen regenerativ erzeugtem Strom plus Massenspeichern zu bewerkstelligen. Die Heizungs-, Klima- und Sanitärfachbetriebe wissen gar nicht, wo sie das Material hernehmen, wo sie die Fachkräfte hernehmen sollen, die das bewerkstelligen sollen. Und brandaktuell: Im Rahmen der Energiekrise und den Sparanstrengungen sollen lt. Minister Habeck zusätzlich Millionen Gasheizungen optimiert werden.

13. Batterie als Stromspeicher z. B. zwecks Netzstabilisierung

 

Wenn es positiv gedeutet werden muss, dann sind Wissenschaft und Prof. Lesch gerne bereit, geringe Volumina groß erscheinen zu lassen. Das geschieht in diesem Abschnitt. Zum einem wird nicht jeder Besitzer eines E-Autos die Batterie freiwillig als Stromlieferant zur Verfügung stellen. Grund: Man will in erster Linie mit dem Auto fahren. Dafür wird ein Auto gekauft. Nicht, um Systemdienstleistungen bereit zu halten. Ob die Rechnung aufgeht, die Frau Dr. Neitz-Regett aufmacht, ist doch mehr als zweifelhaft. Wir gehen davon aus, dass in ihren Annahmen ein hohes Maß an Optimismus mitschwingt. Zumal Speicher, wenn sie denn einmal genutzt wurden, auch wieder aufgeladen werden müssen. Bei einer Dunkelflaute, auch wenn sie nur zwei, drei Tage dauert, laufen die (Autobatterie-) Speicher schnell leer. Wie, mit welchem Strom sollen sie wieder geladen werden, um die Stromversorgung, um die Systemdienstleistungen erneut zu gewährleisten? Oder gar, um Auto zu fahren?  Das sind u. E.  wichtigere Fragen als die Menge Strom (´10 mal so viel Strom, wie alle Pumpspeicher Deutschlands zusammenspeichern`), die einmal geliefert werden kann und unter dem Strich auch nur etwa geschätzte 10% des Strombedarfs ausmachen würde.

14. Die Stromnetze

 

Frau Dr. Neitz-Regett gebraucht den Begriff “intelligent” in ihrem Statement zu den Stromnetzen drei Mal. Das beeindruckt vielleicht den unbedarften Zuschauer, ist dennoch nichts als heiße Luft. Am Ende des Tages zählt die Physik. Deshalb ist es ein frommer Wunsch, die Stromnetze so klein wie möglich zu halten. Halb Deutschland wird aufgerissen (Verteilnetzausbau) werden müssen, wenn die Haushalte, die Industrie, Gewerbe und Handel den Strom zur Verfügung haben sollen, der bei allen Energiewendemaßnahmen (Ersatz der fossilen Energieerzeugung Strom, Wärme, Mobilität, Industrie u.v.m.) durch regenerative Stromerzeugung ersetzt wird, die dann Strom, Wärme, Mobilität, Industrieprozesse usw. regenerativ-elektrisch erzeugt, bereitstellt. So kompliziert der Satz ist, so kompliziert ist das Vorhaben.

15. Das Laden von Autobatterien in der Praxis

 

Dieser Abschnitt wieder ein Beispiel für den positiven Unterton pro E-Auto: Zu Hause kann man günstig laden, es werden meisten nur kurze Strecken gefahren, von 20 bis 80% ist der Ladevorgang schnell und alle zwei Stunden sollte man sich ohnehin ausruhen. Dass ein Professor für regenerative Energien (Volker Quaschning) insgesamt der Energiewende sehr positiv gegenüber eingestellt ist, wundert nicht. Wie man später sehen wird, sind seine Aussagen unter dem Strich dann doch ziemlich wertlos, weil man merkt, dass er nicht abwägt, sondern nur die positiven Aspekte hervorhebt und ins rechte Licht rückt.

16. Brandgefahr

 

Brandgefahr ist ein Mythos: Prof. Lesch verharmlost dieses Risiko in unseren Augen fahrlässig. Dabei ist das Problem weniger die Häufigkeit. Es sind die fatal-schnelle Brandausbreitung und das faktische nicht Löschen können des Brandes. Nach einem Unfall eingeklemmte Personen verbrennen ohne jede Chance. Das machen sich E-Autofahrer nicht klar, darauf werden sie nicht hingewiesen. Auch nicht von Prof. Lesch. Der redet die Gefahr klein.

Beispiel eines in Flammen aufgehenden E-Busses in Paris

 

Eine grauenhafte Vorstellung: Das gleiche Szenario mit einem E-Auto in einer Tiefgarage über einem Wohnhaus.

17. Hybridmobilität 1 – Vollhybride

 

Prof. Quaschning: Vollhybride sind für die Energiewende nicht geeignet!

18. Hybridmobilität 2 – Plug-In-Hybride

 

Beim Plug-In Hybrid ist Prof. Lesch am Ende vorsichtig. Immerhin sind bereits über 600.000 dieses Fahrzeugtyp zugelassen. So viele wie reine E-Autos. Schauen Sie sich mal den Gesichtsausdruck von Prof. Lesch an, als er den Begriff “Diesel” in den Mund nimmt. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

19. Das Fazit

 

Zum Schluss wird die Analyse eine Werbung für Einschränkung und “kurze Wege” = Zu Fuß gehen. Dass die meisten Menschen ihr Fahrzeug für den Weg zur Arbeit brauchen, dass darüber hinaus Mobilität nicht nur Grundstock unserer Wirtschaft, ein Freiheitsfaktor für unsere Gesellschaft ist, dazu kein Wort. Es kommt aber noch besser.

20. Der Zuschauer wird “ins Gebet” genommen

 

Mit Hintergrundmusik bekommt die Analyse zum Schluss fast religiösen Charakter. Das ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten und entwertet die insgesamt fragwürdig durchgeführte Analyse, die durchaus den richtigen Ansatz hat, endgültig. Schon die Auswahl der Vergleichsfahrzeuge setzt den Vergleich auf eine Rille, die nur zu Gunsten des E-Fahrzeugs ausgehen konnte. Viel besser und wissenschaftlichen Kriterien viel eher entsprechend ist dagegen der Vergleich von Prof. Sinn, der dieser im Mai vorgetragen hat. Lesen Sie dazu Punkt 5 unserer Analyse des Vortrags.

© Enexion group 2022, alle Rechte an dem zitierten Lesch-Video und den daraus erstellten Ausschnitten liegen beim ZDF. Wir zitieren zu Analysezwecken aus wichtigen Tages- und allgemeinpolitischen Gründen (zum Beispiel dem geplanten Komplettumbau der deutschen Automobilindustrie). Die Analyse erfolgte nach bestem Wissen und Gewissen aber ohne Gewähr. Jegliche Haftung ist ausgeschlossen.

enexion