Energiewende und Klimaziele

26.04.2021 Christoph Trares

Bis zum Jahr 2030 sollte der CO₂ -Austoß der EU um 40% gegenüber dem Referenzjahr 1990 vermindert werden. Das ist EU-Parlament und EU-Kommission nicht genug. Man beschloss kurzerhand eine Anhebung auf 55%. Ursprünglich hatten etliche Parlamentarier sogar 60% gefordert. Was für diese offensichtlich recht einfach ist. Müssen die Politiker die formulierten Ziele nicht umsetzen. Das müssen in erster Linie die Industrien, der Mittelstand und die Bevölkerungen der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten. Wobei diese im Gegensatz zu Deutschland oft einen Vorteil allein dadurch haben, dass mit der Gewinnung von Strom mittels Kernkraft eine faktisch CO₂ -freie Energieversorgung zur Verfügung steht. Bestes Beispiel ist Frankreich, dass mit 5,2 t CO₂ -Austoß pro Kopf der Bevölkerung erheblich weniger des Klimagases produziert als Deutschland mit 9,6 t CO₂ , welche fast doppelt so viel sind. Bis Ende 2022 werden die verbliebenen Kernkraftwerke Deutschlands abgeschaltet. Um die 60 TWh Strom fehlen Deutschland ab 2023. 60 TWh CO₂ -freier Strom, der “irgendwie” ersetzt werden muss. Importstrom fällt in diesem Umfang sicher nicht an. Unsere europäischen Nachbarn werden das größte Industrieland in der Mitte Europas nicht mitversorgen können und es auch nicht wollen. Und wenn wie im bisherigen Umfang Strom importiert werden wird, ist dieser durchaus nicht CO₂ -frei. Es sei denn, er wird z.B. in französischen oder schweizerischen Kernkraftwerken hergestellt.

Als Rettungsanker gilt Gasstrom, der als Backup dann eingesetzt werden soll, wenn Wind- und Photovoltaikstrom aus deutscher Produktion nicht ausreicht. Nun ist Gasstrom bereits vor einiger Zeit in Verruf gekommen. Bei der Verstromung des Gases fallen zwar nur etwa 50% CO₂ im Vergleich zur Kohleverstromung an. Betrachtet man hingegen den kompletten Prozess von der Gewinnung des Erdgases, welches aus dem wesentlich klimaintensiveren Methan besteht, kommen Experten zu dem Schluss: Beim Erdgas haben wir die Situation, dass sehr hohe Methanverluste auf der gesamten Kette passieren. Methan ist hoch treibhausgaswirksam, und wenn man nur CO₂ betrachtet, kommt man zu einem falschen Bild.“ Der Widerspruch der Aussagen steckt in den sogenannten CO₂ -Äquivalenten, die mit CO₂e abgekürzt werden. Damit wird ausgedrückt, dass zusätzlich zum CO₂ im Abgas der Verbrennung schon beim Abbau, Transport und Lagerung weitere sehr klimaschädliche Gase, wie Methan in die Atmosphäre gehen, wo sie massiv zum Klimawandel beitragen. „Wenn man konventionelles Gas nimmt, beispielsweise Gas aus Russland, dann sind die Emissionen insgesamt Kohlendioxid und Methan in der Wirkung ähnlich schlimm wie bei einem Kohlekraftwerk. Also der Wechsel vom Kohlekraftwerk zum Erdgaskraftwerk bringt keinen KlimaschutzvorteilDer Wechsel vom Kernkraftwerk zum Gaskraftwerk schon gar nicht. Es wird zu einem Anstieg des CO₂ -Ausstoßes kommen. Ab 2023. Gleichwohl trägt Deutschland die Anpassung der EU-Klimaziele selbstverständlich mit. Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese meint: „Die Einigung ist historisch. Das Ziel der Klimaneutralität wird jetzt gesetzlich festgeschrieben. Zum ersten Mal war das Europäische Parlament an der Festsetzung der Klimaziele direkt beteiligt.“ Liese verwies darauf, dass in den 30 Jahren von 1990 bis 2020 die Klimagase der EU nur um 25 Prozent verringert worden seien; binnen zehn Jahren bis 2030 müssten sie um weitere 30 Prozentpunkte sinken. 

Der BDI ordnet die erhöhten Klimaziele als extrem ehrgeizig ein. Damit liegt der Industrieverband u. E. durchaus nicht falsch. Das gilt vor allem, wenn es bei der Versorgung der Industrie, des Mittelstands und der Bevölkerung bei der Nachfrageorientierung=Strom gibt es immer genau dann in ausreichender Menge, wenn er gebraucht wird, bleiben soll. Dazu unten mehr.

Zunächst möchten wir auf ein Interview hinweisen, welches die designierte Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock am 22.4.2021 dem Deutschlandfunk gegeben hat. Der Sender fasst zusammen: Mobilität, Konsum und Produktion müssen auf Klimaneutralität ausgerichtet werden, fordert die Kanzlerkandidatin und Parteichefin der Grünen Annalena Baerbock. Ein Umbau der Industrie sei essenziell, um bei klimaneutralen Produkten wettbewerbsfähig zu bleiben und Arbeitsplätze zu schützen, sagte sie im Dlf.

Hören Sie das komplette Interview mit der Kanzlerkandidatin der Grünen …


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Bei der Umsetzung seiner eigenen Klimaziele geht Deutschland davon aus, dass der Strombedarf bis zum Jahr 2030 in etwa gleich bleibt wie heute. Im achten Monitoringbericht der vierköpfigen Kommission um den Umweltökonomen Andreas Löschel heißt es, dass sich die Bundesregierung in ihrer Prognose für die Stromnachfrage wohl verschätzt. Die Bundesregierung ging bis dato davon aus, dass Deutschlands Strombedarf bis 2030 in etwa konstant gehalten werden könne. Der Mehrbedarf an Elektrizität für die Produktion von Wasserstoff, die Elektromobilität und Wärmepumpen lasse sich durch vielfältige Effizienzsteigerungen ausgleichen. Diese Einschätzung teilt die Kommission nicht. „In der Summe ist eher davon auszugehen, dass der Strombedarf um etwa 10 Prozent ansteigen wird“, heißt es im Kommentar der Wissenschaftler . Die Bundestagsfraktion der Grünen ist da schon wesentlich weiter. Die Grünen gehen davon aus, dass die nachfrageorientierte Stromversorgung Deutschlands, so, wie wir sie kennen, in eine angebotsorientierte Stromversorgung überführt werden wird. Strom gibt es dann, wenn genügend davon vorhanden ist. Strom wird zugeteilt, Strom wird ein Mangelprodukt. Schauen Sie sich den Ausschnitt aus der Rede der Vorsitzenden des Umweltausschusses des Bundestages, der Abgeordneten der Grünen, Sylvia Kotting-Uhl an:

 

Frau Kotting-Uhl sagte diese Worte am 14.4.2021 im Rahmen der Debatte um die Energieversorgung Deutschlands. Für sie ist der Sachverhalt klar. Grundlast ist ein veraltetes Konzept. Angebotsorientierung ist modern, fortschrittlich. Angebotsorientierung gehört die Zukunft. Damit ist die Energiepolitik der Grünen umrissen. Strom wird zur Mangelware, die nach diversen Kriterien zugeteilt wird. Strom muss zugeteilt werden, weil es immer wieder Phasen geben wird, in denen Strom aus Wind- und Photovoltaikanlagen nicht in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen wird. Selbst bei einer Verdreifachung der heutigen Strommenge erzeugt mit mittels Wind- und Photovoltaikanlagen reicht der Strom bei weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken. Sogar dann nicht, wenn überschüssiger Strom mittels Wasserstoff gespeichert und bei Bedarf wieder in das Stromnetz eingespeist wird.

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Christoph Trares Vertriebsleiter (CSO) der enexion Group. Diplom-Betriebswirt. Seit 2003 in leitenden Funktionen bei Siemens, Lufthansa und der Pharmabranche.