Energiekrise, Wärmepumpen & mehr

13.12.2022 enexion

Der Stand der Dinge

 

„Das Ziel der Bundesregierung ist die völlige Dekarbonisierung des gesamten Häuserbestands hauptsächlich auf Basis von Elektrowärmepumpen. Laut AGEB-Zahlen hat sich der Anteil der Wärmepumpe im Wohnungsbestand aber erst auf 2,8 Prozent erhöht. Mit einem Anteil von seit Jahren unverändert 49,5 Prozent dominiert dort weiterhin unangefochten die Gasheizung, gefolgt von ebenfalls kaum geschmälerten 24,8 Prozent der klimapolitisch geschmähten Ölheizung und der Fernwärme mit 14,1 Prozent.“

„Die Aufholjagd ist aber eröffnet: Deutsche Branchenführer wie Viessmann, Vaillant oder Bosch Thermotechnik investieren Hunderte Millionen Euro in den Aufbau der Wärmepumpen-Produktion. Das Investment ist nicht ohne Risiko: Das Handwerk erklärt zum Beispiel offen, dass noch Zehntausende Fachkräfte fehlen, um die Geräte auch installieren zu können. Die Bundesregierung unterstützt bereits Fortbildungsinitiativen der Branche, doch die Fachkräftelücke bleibt vorerst groß.“

Zusätzlich zum Fachkräftemangel hat sich angesichts der starken Schwankungen der Gas- und Strompreise ein zusätzliches Problem ergeben. Dieses hängt mit der Jahresarbeitszahl einer Wärmepumpe zusammen. Liegt diese bei 3 sind im Durchschnitt eine Kilowattstunde Strom nötig, um 3 Kilowattstunden (kWh) Wärme zu erzeugen. Kommt es – wie aktuell vorgehen – zu einer Deckelung des Gaspreises bei 0,12€/kWh und 0,40€/kWh, wäre das Heizen mit Gas (0,12 X 3 = 0,36) unter dem Strich günstiger als mit der elektrisch betriebenen Wärmepumpe.

„Zu zahlen wären dann 40 Cent pro Kilowattstunde für 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs. Die in diesem Jahr installierten Wärmepumpen sollen ihren Strom auf Basis des prognostizierten Verbrauchs erhalten. Die Abrechnung dürfte schwierig werden: Eine Differenzierung zwischen Heizstrom und Hausstrom ist komplex, wenn er nicht durch intelligente „Smart Meter“ oder zwei Stromzähler differenziert erfasst wird.“ Quelle „Texte“ und Grafiken.

Politik und Wirtschaft gehen allerdings davon aus, dass fossile Energieträger in Zukunft erheblich teurer werden als regenerative. Bis dahin will Robert Habeck beim Strompreis ein „Wärmepumpenprivileg“ herstellen, dass den Betreiber einer Wärmepumpe kostenmäßig nicht schlechter stellt als den, der mit Gas heizt. Dass sich dies als nicht einfach darstellen wird, ist der Politik bekannt.

Wenn man eine Dekarbonisierung im kompletten Häuserbestand in Sachen Heizen/Wärme herstellen will, sind viele Wärmepumpen plus Haussanierungen* notwendig. Im Neubaubereich wird jede zweite Immobilie bereits mit einer Wärmepumpe ausgerüstet.

Ab 2024 sollen jedes Jahr 500.000 Immobilien mit Wärmepumpen ausgestattet werden. Bei aktuell etwa 19,5 Mio. Immobilien ist da ein dickes Brett zu bohren.

Ein wichtiger, für das Klima entscheidender Punkt

 

Hinzu kommt, dass Wärmepumpen nur dann „grün“ sind, wenn regenerativ erzeugter Strom per Wind, Solar oder – unsere Meinung – per Kernkraft zum Betrieb erzeugt wird. Dieser notwendige grüne Wind- und PV-Strom ist aktuell nicht mal in dem Umfang vorhanden, um den heutigen Strombedarf – ohne Wärmepumpen, ohne E-Mobilität – zu decken. Dementsprechend werden Wärmepumpen in den nächsten Jahren mit fossilem Strom betrieben werden und haben deshalb praktisch keinerlei Dekarbonisierung-Funktion. Was im Übrigen auch für die E-Mobilität gilt. Die Idee große Mengen zusätzlicher Stromverbraucher zu installieren, Millionen Elektro-Autos in den Markt zu drücken, ohne den notwendigen regenerativ erzeugten Strom bereitstellen zu können, ist höchst fragwürdig. Der aufmerksame Betrachter fragt sich, wem das nutzen soll. Die Dekarbonisierung wird jedenfalls nicht vorangetrieben werden. Im Gegenteil.

Die Ideen des Think-Tanks Agora-Energiewende

 

Eine Studie und ein Impuls von Agora-Energiewende belegen eindrucksvoll, dass das theoretische Konstrukt ´Energiewende` nicht viel mit der Energieversorgung eines Industriestaats zu tun haben kann. Die Wärmepumpenstudie arbeitet mit Voraussetzungen, die nicht gegeben sind. Der grüne Strom ist – wie oben gezeigt – nicht vorhanden, um die geplanten 500.000 zusätzlichen Wärmepumpen pro Jahr ´grün` zu betreiben. Auch wenn „massiv“ Windkraft- und PV-Stromanlagen („fossile Inflationsbekämpfung“) zugebaut plus weitere Maßnahmen – siehe Impuls –  ergriffen werden:

Es wird nicht ausreichen!

 

Auch wenn noch so viel Geld vorhanden wäre. Sogar der Zubau regenerativer Anlagen, die rechnerisch-theoretisch den Strom zum Betrieb der Wärmepumpen liefern würden, hätte nicht zur Folge, dass der prozentuale Anteil regenerativ erzeugten Stroms steigen würde. Das Ganze ist eine Schimäre von politischen Eliten, die jeglichen Bezug zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Realität verloren haben. Was nicht bedeutet, dass Firmen des Energiewende-Komplexes nicht eine Menge Geld verdienen können. Eine nachhaltige und wirksame Dekarbonisierung Deutschlands aber, eine Energiewende, die für andere Länder vorbildhaft wäre, wird weder in der Sache noch zu angemessenen Kosten* stattfinden.

Angenommen eine Wärmepumpe benötigt 7 MWh Strom pro Jahr. Das sind bei einer Million zugebauten Wärmepumpen bis Ende 2025 sieben TWh zusätzlicher Strombedarf. Dafür ist diese Anzahl Stromerzeugungs-Anlagen rein rechnerisch im Jahresdurchschnitt nötig. Warum kalkulieren wir ausschließlich mit Windkraftanlagen? Im Winter scheint nur wenig und vor allem eine schwache Sonne. Die Wärmepumpen-Heizungen werden praktisch nur im Winter benötigt. Deshalb sollten hier nur auf Windkraftwerke gesetzt werden.

Hand auf´ s Herz: Glauben Sie an die Realisierung des notwendigen Ausbaus der Windkraftanlagen unter marktwirtschaftlichen Bedingungen innerhalb von zwei Jahren? Und wenn der Ausbau tatsächlich gelänge: Was bedeutet das für die ´normale` Stromversorgung Deutschlands? Da würde sich prozentual (aktuell etwa 50 Prozent regenerative Stromerzeugung) gar nichts ändern. Hinzu kommt: Bis zum Jahr 2030 sollen zusätzlich  15 Millionen E-Autos (2030 = 36 TWh Strom zusätzlich nötig) auf Deutschlands Straßen fahren. Zuzüglich die geplanten 2,5 Millionen Wärmepumpen, die 2026 bis 2030 verbaut werden sollen. Was die Pläne der Bundesregierung, allein was Zubau-Menge regenerativer Anlagen (nur für die geplanten Wärmepumpen & E-Autos) innerhalb der wenigen Jahre bis zum Jahr 2030 anbelangt, in den Bereich grüner Träume transportiert.

Der Ausbau der regenerativen Stromerzeugung hält niemals auch nur annähernd mit dem – wenn denn alles wie geplant läuft – wachsenden Bedarf an grünem Strom mit.

Das Problem der Differenz des rechnerischen Ausbaus (80% regenerative Stromerzeugung bis zu Jahr 2030) und der tatsächlichen, stark schwankenden Stromerzeugung wurde dabei noch gar nicht erwähnt. Zwei Beispiele des Agora-Zukunftsmeters: Januar 2022August 2022 beleuchten das Problem. Trotz des dort angenommenen Ausbaugrades „Erneuerbare 86 Prozent“ werden im Januar gewaltige Mengen zusätzlicher fossil erzeugter Strom benötigt, um den Bedarf zu decken. Im August ebenso. Der hingegen zum Teil in ebenfalls großen Mengen anfallende überschüssige Strom, wird in diesen Mengen auch 2040 nicht gespeichert werden können. Der überschüssige Strom wird preissenkend wirken und muss billig abgegeben oder gar mit Bonus an das benachbarte Ausland verschenkt werden. Wie es teilweise bereits heute geschieht.

Da helfen auch die angedachten Zukunftsinvestitionen (Siehe „Ergebnisse auf einen Blick“ unten) im Impuls des Agora-Think-Tanks nicht weiter. In Deutschland gibt es in der aktuellen Energie-Krise nach Ansicht der Freunde der Energiewende eine große Chance eben für diese Energiewende. Wir sehen das nicht so. Ohne eine gleichmäßige und sichere Versorgung von Haushalten, Gewerbe und Industrie mit Strom, mit Gas und mit Öl wird Deutschlands Wirtschaft einen beispiellosen Niedergang erfahren. Welche Auswirkungen das auf die Menschen, auf die Gesellschaft hat, wagen wir uns nicht auszumalen.

Wegen mangelndem grünen und gleichzeitig verlässlich fließendem Strom wird auch die Transformation (Umstellung auf elektrische Prozesse plus grüner Stromzufuhr) der Industrie nur ein theoretisches Konstrukt, ein Wunschtraum bleiben:  „Rund 90 Terawattstunden Erdgas können bis 2030 eingespart werden, wenn die Industrie ihre Prozesswärme bis 500 Grad Celsius künftig elektrisch erzeugt. Das geht aus einer neuen Studie des Think Tanks Agora Industrie hervor. Mittels Wärmepumpen und Elektrodenkesseln kann der Sektor in den kommenden acht Jahren bis zu drei Viertel der durch den europäischen RePowerEU-Plan vorgegebenen Erdgaseinsparungen erzielen und so einen wichtigen Schritt zur Energiesicherheit leisten.“ Im der erwähnten Studie Erdgaseinsparung und Klimaschutz in der Industrie heißt es weiter:

„Der Einsatz von Wärmepumpen und Elektrodenkesseln in der Industrie muss im Einklang mit der Dekarbonisierung des Stromsektors erfolgen. Ein flexibler Stromverbrauch hilft, hohe Anteile Erneuerbarer Energien zu integrieren und deren volatile Erzeugung besser zu nutzen. Diese Flexibilität ermöglicht es, die Zielvorgabe der Bundesregierung von 80 Prozent Erneuerbaren bis 2030 effizient zu erreichen“

Damit die vielen elektrischen Stromverbraucher oben plus die geplanten in der Industrie „betrieben werden können, werden große Mengen fossil erzeugter Strom unabdingbar notwendig sein. Brandaktuell wird dies durch die am 29.11.2022 begonnene Dunkelflaute aufgezeigt. Die Hochrechnung der zwei Tage bis zum 30.11.2022 auf das Jahr 2040 mit dem angenommenen Ausbaugrad 86 Prozent belegen die Notwendigkeit fossiler Stromerzeugung in erheblichen Umfang (bis zu 86 GW). Zur aktuell installierten Leistung Gas von 31 GW müssten inkl. Reserve noch 70 GW Gasleistung hinzugebaut werden. Das wären 70 Gaskraftwerke à ein GW installierte Leistung.

Schauen Sie sich in dem Zusammenhang die Kurzzusammenfassung des Impulses ´Mit Zukunftsinvestitionen die fossile Inflation` bekämpfen an. Beachten Sie Begriffe wie „fossile Inflation“, „Inflationsbekämpfungspaket“, „soziale Wärmewende“, „schnelle Industrietransformation“. Das hört sich alles gut und seriös an. Es bringt allerdings alles nichts, wenn der Wind kaum weht und Sonne wenig oder gar nicht scheint.

„Die Corona-Pandemie ist noch nicht überstanden und schon stecken wir tief in einer neuen Krise: einer durch die kriegsbedingte Verknappung fossiler Brennstoffe verursachten schweren Inflation. Unsere selbstverschuldete Abhängigkeit von fossilen Rohstoffimporten aus Russland macht diese zu einer wirksamen Waffe gegen Deutschland und Europa.“

Bleiben wir bei den Tatsachen: Die EU, Deutschland hat die Sanktionen gegen Russland verhängt, welche Wladimir Putin mit einem Gas-Lieferstopp beantwortet hat. Zum Jahresende kommt noch ein Ölembargo der EU zum Tragen. Das wird die Öl-Preise steigen lassen. Nicht nur die Abhängigkeit, auch unseren Energiemangel haben wir selbst zu verantworten. Deutschland, weil selbst rohstoffarm und nicht willens die wenigen doch immerhin für Jahrzehnte ausreichenden Rohstoffe zu fördern, ist immer abhängig von fossilen und vielen anderen Rohstoffimporten. Da die günstigsten Quellen zu sanktionieren und zu boykottieren ist für manche Menschen vielleicht „woke“ und moralisch notwendig. Wir halten es für kurzsichtig und selbstzerstörerisch. Zumal die deutsche Politik bei anderen autoritären Staaten im Nahen Osten, bei China und vielen weiteren Staaten nicht besonders zimperlich ist.

*Lesen Sie den WELTplus-Artikel, der eine Untersuchung von Ernest & Young (EY) thematisiert: Zu hohe Klimaziele? Gebäude-Sanierung nach Plan würde drei Billionen Euro kosten.

Dort heißt es: 

„Auf die Hausbesitzer und Mieter [plus Gewerbe & Industrie, Einschub enexion group] in Deutschland rollt eine gewaltige Kostenlawine zu. Wenn die Klimaschutzziele für den Gebäudesektor bis 2030 und 2045 tatsächlich erreicht werden sollen, müssen enorme Finanzmittel investiert werden, für mehr Effizienz, neue Heizungen, Energieerzeugung und Speicher. Die Beratungsgesellschaft EY schätzt in einer aktuellen Analyse die notwendigen Sanierungskosten allein bei Wohngebäuden auf drei Billionen Euro.

Das entspricht 88 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts der Bundesrepublik im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. ´Nur ein kleiner Teil des Gebäudebestands ist in den letzten 20 Jahren voll modernisiert worden und entspricht damit den Ansprüchen, die ab 2030 oder sogar bis 2045 gelten sollen`, sagt Jan Ohligs, Partner und Immobilien-Finanzierungsspezialist bei EY. ´Wir schätzen deshalb, dass etwa 80 Prozent aller Gebäude noch einmal saniert werden müssen`.“

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